Chronische Erkrankungen: Epilepsie

An Epi­lep­sie, auch Fall­sucht oder Krampf­lei­den ge­nannt, er­kran­ken et­wa 0,5 bis ein Pro­zent al­ler Men­schen. Et­wa vier bis fünf Pro­zent al­ler Men­schen hat­ten in ih­rem Le­ben schon min­des­tens ein­mal ei­nen epi­lep­ti­schen An­fall. Et­wa ei­ne von 300 Schwan­ge­ren ist Epi­lep­sie-Pa­ti­en­tin.

Epi­lep­sie und Ver­er­bung

Kin­der von epi­lep­sie­kran­ken El­tern ha­ben ein ge­ring­fü­gig hö­he­res Ri­si­ko, auch an ei­ner Epi­lep­sie zu er­kran­ken, aber nur et­wa fünf Pro­zent al­ler Kin­der, de­ren Va­ter oder Mut­ter ei­ne Epi­lep­sie ha­ben, er­kran­ken eben­falls dar­an. Wie hoch das Ri­si­ko ist, hängt von der Art der Epi­lep­sie der El­tern ab. In ei­nie­gen we­ni­gen Fäl­len wur­de durch mo­le­ku­lar­ge­ne­ti­sche Un­ter­su­chun­gen ein Gen­ort für die Er­kran­kung fest­ge­stellt.

Be­hand­lung der Epi­lep­sie wäh­rend der Schwan­ger­schaft

Bei ei­ner Min­der­heit der epi­lep­ti­schen Schwan­ge­ren kann es zu ei­ner er­höh­ten An­falls­be­reit­schaft kom­men, bei den meis­ten bleibt die­se aber un­ver­än­dert. Ein Weg­las­sen der Me­di­ka­men­te kann zu ei­ner be­droh­li­chen An­falls­häu­fung (so­ge­nann­ter Sta­tus epi­lep­ti­cus) füh­ren, die Mut­ter und Kind in Ge­fahr bringt.

Da un­vor­her­seh­bar auf­tre­ten­de Krampf­an­fäl­le vor al­lem die Mut­ter und da­mit auch das Kind ge­fähr­den kön­nen, müs­sen die meis­ten Pa­ti­en­tin­nen ih­re Me­di­ka­men­te auch in der Schwan­ger­schaft wei­ter ein­neh­men. Gleich­zei­tig kön­nen die Arz­nei­en aber das Ri­si­ko für Fehl­bil­dun­gen er­hö­hen.

Epi­lep­sie-Pa­ti­en­ti­nen, die re­gel­mä­ßig Me­di­ka­men­te ein­neh­men, wird drin­gend ge­ra­ten bei ei­nem Kin­der­wusch schon vor Ein­tritt der Schwan­ger­schaft mit dem Arztder Ärz­tin dar­über zu spre­chen, wel­che Me­di­ka­men­te in die­ser Le­bens­pha­se sinn­voll sind.

Neue Stu­die (von 2011)

Ei­ne gro­ße Stu­die mit et­wa 4.000 schwan­ge­ren Epi­lep­sie-Pa­ti­en­tin­nen be­stä­tig­te, dass al­le vier Epi­lep­sie-Me­di­ka­em­n­te bei ho­her Do­sie­rung das Ri­si­ko von Fehl­bil­dun­gen er­hö­hen kön­nen

"Die neu­en Da­ten hel­fen dem be­han­deln­den Arzt, das Ri­si­ko für Mut­ter und Kind so ge­ring wie mög­lich zu hal­ten“, er­klärt El­ger, der an der Uni­ver­si­tät Bonn die Kli­nik für Epi­lep­to­lo­gie lei­tet.

Es zeig­te sich, dass mit dem in Deutsch­land am häu­figs­ten ver­schrie­be­nen Wirk­stoff La­mo­t­ri­gin bei ei­ner Do­sie­rung von un­ter 300 Mil­li­gramm täg­lich die ge­rings­te Ra­te an Fehl­bil­dun­gen auf­trat. Mit zwei Pro­zent liegt die­se Ra­te al­ler­dings noch im Spek­trum ge­sun­der Frau­en oh­ne Me­di­ka­ment, ge­nau­so wie Carba­ma­ze­pin in ei­ner Do­sie­rung von we­ni­ger als 400 Mil­li­gramm und ei­ner Fehl­bil­dungs­ra­te von 3,4 Pro­zent. Deut­lich hö­her fiel sie un­ter Phen­o­bar­bi­tal und Val­pro­in­säu­re aus, wo bei nied­ri­ger Do­sie­rung 5,4 bzw. 5,6 Pro­zent Fehl­bil­dun­gen be­ob­ach­tet wur­den. Be­son­ders bei dem Wirk­stoff Val­pro­in­säu­re sind bei hö­he­ren Do­sie­run­gen mehr Fehl­bil­dun­gen auf­ge­al­len.

Ori­gi­nal­pu­bli­ka­ti­on: Do­se-de­pen­dent risk of mal­for­ma­ti­ons with an­tie­pi­lep­tic drugs: an ana­ly­sis of da­ta from the EU­RAP epi­le­psy and pregnan­cy re­gis­try

Torb­jörn Tom­son et al.; Lan­cet Neu­ro­lo­gy, 10(7): 609-617; 2011

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