Chronische Erkrankungen: Hypothyreose

Als Hy­po­thy­reo­se be­zeich­net man ei­ne man­geln­de Ver­sor­gung des Kör­pers mit den Schild­drü­senhor­mo­nen Tri­jodthy­ro­nin (T3) und Thy­ro­xin) (T4). Für die Hy­po­thy­reo­se ist meist die Un­ter­funk­ti­on der Schild­drü­se ver­ant­wort­lich - im Ge­gen­satz zur Hy­per­thy­reo­se, bei der es sich um ei­ne Über­funk­ti­on der Schild­drü­se han­delt.

Sta­tis­tik

Es sind in Deutsch­land et­wa 2,5% der Schwan­ge­ren von ei­ner be­hand­lungs­be­dürf­ti­gen Schild­drü­sen­un­ter­funk­ti­on be­trof­fen.

Sym­pto­me der Hy­po­thy­reo­se

Au­ßer den klas­si­schen Sym­pto­men wie Mü­dig­keit, Käl­te­ge­fühl oder An­triebs­lo­sig­keit kön­nen ei­ne An­ämie und er­höh­te Cho­le­ste­rin­wer­te auf ei­ne Schild­drü­sen­un­ter­funk­ti­on hin­wei­sen. Ei­ne nicht be­han­del­te Hy­po­thy­reo­se kann die Ur­sa­che für ei­nen un­re­gel­mä­ßi­gen Zy­klus, für ei­nen er­höh­ten Prol­ak­tinspie­gel und für ei­ne Un­frucht­bar­keit sein.

Wer­te

Schon bei ei­ner leich­ten Un­ter­funk­ti­on der Schild­drü­se kann es zu Pro­ble­men im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Schwan­ger­schaft kom­men. Man geht heu­te da­von aus, dass ein TSH über 2mU/I eher auf ei­ne kran­ke als auf ei­ne ge­sun­de Schild­drü­se schlie­ßen lä­ßt.
Ei­ne neue ita­lie­ni­sche Stu­die zeig­te, dass be­reits bei TSH-Wer­ten über 2,5 mU/l in der Früh­schwan­ger­schaft Schä­di­gun­gen des Kin­des auf­tre­ten kön­nen (J Clin En­do­cri­nol Metab on­line).

Ri­si­ko

Ein er­höh­tes Ri­si­ko für ei­ne Schild­drü­sen­un­ter­funk­ti­on (Hy­po­thy­reo­se) be­steht bei schwan­ge­ren Frau­en, die frü­her schon ein­mal an der Schild­drü­se er­krankt wa­ren oder ei­ne Strah­len­the­ra­pie im Hals­be­reich er­hal­ten ha­ben. Das Ri­si­ko ist auch er­höht, wenn es Ver­wand­te mit Schild­drü­sen­er­kran­kun­gen gibt.

The­ra­pie der Hy­po­thy­reo­se in der Schwan­ger­schaft

In den meis­ten Län­dern wird wäh­rend der Schwan­ger­schaft und der Still­zeit Pro­pylthiou­ra­cil als Thy­reo­sta­ti­kum ver­wen­det, wäh­ren au­ßer­halb der Schwan­ger­schaft oft eher Car­bi­ma­zol bzw. Thia­ma­zon (Me­t­hi­ma­zol) ver­ord­net wer­den. Die Do­sie­rung wäh­ren der Schwan­ger­schaft soll­te so ge­ring wie mög­lich und be­son­ders in den ers­ten Schwan­ger­schafts­wo­chen op­ti­mal sein.

Da die Schild­drü­se des un­ge­bo­re­nen Kin­des erst am En­de des drit­ten Schwan­ger­schafts­mo­nats ih­re Funk­ti­on auf­nimmt, ist ei­ne sta­bi­le Ein­stel­lung der Schwan­ge­ren ge­ra­de im ers­ten Schwan­ger­schafts­drit­tel wich­tig.

Ra­dioi­odthe­ra­pie

Ei­ne Ra­dioi­odthe­ra­pie ist in der Schwan­ger­schaft kon­tra­in­du­ziert. Es gilt als si­cher, wenn Frau­en ab sechs Mo­na­te nach der Ra­dioi­odthe­ra­pie schwan­ger wer­den. Al­ler­dings zeigt ei­ne Stu­die ei­ne er­höh­te Ra­te an Fehl­ge­burten, wenn die Ra­dio­jodthe­ra­pie in­ner­halb ei­nes Jah­res vor der Schwan­ger­schaft er­folgt war.

Hy­po­thy­reo­se und Kom­pli­ka­tio­nen

Ei­ne un­be­han­del­te Hy­po­thy­reo­se stellt nicht nur für die Schwan­ge­re, son­dern auch für den Fö­tus ei­ne Ge­fähr­dung dar.

  • Früh- und Fehl­ge­bur­ten
    Bei ei­ner müt­ter­li­chen Hy­po­thy­reo­se ist die Ra­te an Fehl­ge­bur­ten (8% im Ver­gleich zu 3,3%) und Früh­ge­bur­ten 9,3% im Ver­gleich zu 3,4%) deut­lich er­höht.
  • Er­höh­te Kin­der­sterb­lich­keit
    Das Ri­si­ko für die pe­ri­na­ta­le Sterb­lich ist deut­lich er­höht (8% ge­gen­über 0,9%).
  • Blut­hoch­druck der Mut­ter
    Schwan­ge­re mit ei­ner Hy­po­thy­reo­se lei­den häu­fi­ger an Schwan­ger­schafts­hoch­druck (11,6% gen­über 3,8%) und an Prä­e­klamp­sie.
  • In­trau­te­ri­ne Wachs­tums­ver­zö­ge­rung
    Frau­en mit ei­ner un­be­han­del­ten Schild­drü­sen­un­ter­funk­ti­on ha­ben ein er­höh­tes Ri­si­ko für ei­ne Wachs­tums­ver­zö­ge­rung des Fö­tus.
  • In­tel­li­genz
    Kin­der von Müt­tern mit ei­ner Hy­po­thy­reo­se sind in ih­rer in­te­lek­tu­el­len Ent­wick­lung ein­ge­schränkt. Quel­le: Had­dow JE, Pa­lo­ma­ki GE, Al­lan WC et al. Ma­ter­nal thy­ro­id de­fi­ci­en­cy du­ring pregnan­cy and sub­se­quent neu­ro­psy­cho­lo­gi­cal de­ve­lop­ment of the child. N Engl J Med 1999; 341 (8): 549–555
    In an­de­ren Stu­di­en wur­de bei Kin­dern, de­ren Müt­ter wäh­rend der Schwan­ger­schaft ei­ne nicht oder schlecht be­han­del­te Hy­po­thy­reo­se hat­ten, ei­ne schlech­te­re mo­to­ri­sche und men­ta­le Ent­wick­lung be­schrie­ben.

Tipp

Auch Frau­en mit Typ-1-Dia­be­tes oder an­de­ren Au­to­im­mun­er­kran­kun­gen wie Ne­ben­nie­ren­schwä­che, aber auch Rheu­ma­to­ider Ar­thri­tis, Mor­bus Bech­te­r­ew, Mor­bus Crohn, Co­li­tis ul­ce­ro­sa oder Mul­ti­pler Skle­ro­se sol­len die Schild­drü­se che­cken las­sen.

Manch­mal ist auch ein län­ge­re Zeit un­er­füllt ge­blie­be­ner Kin­der­wunsch ein Zei­chen für ei­ne la­ten­te Un­ter­funk­ti­on der Schild­drü­se. Die DGE (Deut­sche Ge­sell­schaft für Er­näh­rung) rät im Zwei­fels­fall im­mer zu ei­ner Schild­drü­sen­un­ter­su­chung.

Tipp

Es wird emp­foh­len, dass bei je­dem auch nur ge­rin­gem Ver­dacht auf ei­ne Schild­drü­sen-Un­ter­funk­ti­on schon zu Be­ginn ei­ner Schwan­ger­schaft - bes­ser aber noch vor der Schwan­ger­schaft - der TSH-Wert be­stimmt wird.
Schon ei­ne ge­rin­ge Ver­grö­ße­rung der Schild­drü­sen­re­gi­on am Hals soll­te eben­falls An­lass zu ei­nem Test sein.

Stu­die

Ei­ne kürz­lich ver­öf­fent­lich­te Stu­die von Yo­shiha­ra et al. J Clin En­do­cri­nol Metab. 2012 Jul;97(7):2396-403. doi: 10.1210/jc.2011-2860. Epub 2012 Apr 30. Tre­at­ment of gra­ves' di­sea­se with an­ti­thy­ro­id drugs in the first tri­mes­ter of pregnan­cy and the pre­va­lence of con­ge­ni­tal mal­for­ma­ti­on. hat die Dis­kus­si­on um ei­ne ge­eig­ne­te The­ra­pie bei Hy­per­thy­reo­se in der Schwan­ger­schaft un­ter­sucht.
Un­ter­sucht wur­de die Fra­ge, ob man wäh­rend der Schwan­ger­schaft mit Pro­pylthiou­ra­cil (PTU) be­han­delt kann, das zu schwe­rer (müt­ter­li­cher) Le­ber­to­xi­zi­tät füh­ren kann oder ob Car­bi­ma­zol/Me­t­hi­ma­zol bzw. Thia­ma­zol (CZ/MMI) ge­ge­ben wer­den soll­te, was zu ei­nem er­höh­ten Ri­si­ko für kind­li­che Fehl­bil­dun­gen füh­ren kannhr sel­ten auf­tre­ten und dass es da­her ver­tret­bar zu sein scheint, ei­ne Schwan­ge­re so­wohl mit PTU als auch mit CZ/MMI zu be­han­deln.

Quel­le

Schild­drü­sen­funk­ti­ons­stö­run­gen in der Schwan­ger­schaft, Ka­rin Frank-Raue. En­do­kri­no­lo­gie In­for­ma­tio­nen 2013: Son­der­heft

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