Chronische Erkrankungen: Multiple Sklerose

Die Mul­ti­ple Skle­ro­se ist ne­ben der Epi­lep­sie ei­ne der häu­figs­ten neu­ro­lo­gi­schen Krank­hei­ten bei jun­gen Er­wach­se­nen.

Ist Mul­ti­ple Skle­ro­se ver­erb­bar?

Das Ri­si­ko für ein Kind, an Mul­ti­ple Skle­ro­se zu er­kran­ken liegt bei et­wa drei Pro­zent, wenn der Va­ter oder die Mut­ter er­krankt sind und ist so­mit et­wa zwan­zig­fach hö­her, als bei Kin­dern von ge­sun­den El­tern. Das Ri­si­ko für ein­ei­ige Zwil­lin­ge, von de­nen ei­ner ei­ne MS hat, liegt für den an­de­ren bei et­wa 25 Pro­zent.

Schwan­ger­schaftsver­lauf und MS

Der Ver­lauf der Schwan­ger­schaft un­ter­schei­det sich bei Frau­en mit ei­ner Mul­ti­plen Skle­ro­se kaum von dem, ei­ner ge­sun­den Frau.

Schwan­ger­schaft und MS-Schub

Wäh­rend der Schwan­ger­schaft nimmt in der Re­gel die Schub­ra­te kon­ti­nu­ier­lich ab (bis et­wa 80% im letz­ten Tri­me­non). Al­ler­dings kommt es häu­fig in den ers­ten Mo­na­ten nach der Ent­bin­dung zu ei­nem An­stieg der Schü­be. Der post­par­ta­le Schub­an­stieg (al­so nach der Ge­burt) ist un­ab­hän­gig da­von, wie ent­bun­den wur­de. Er ist bei ei­ner Kai­ser­schnittent­bin­dung eben­so hoch wie bei ei­ner nor­ma­len va­gi­na­len Ge­burt.

Schwan­ger­schaft und wei­te­re MS-Ver­lauf

Un­ter­su­chun­gen ha­ben ge­zeigt, dass ei­ne Schwan­ger­schaft sich nicht ne­ga­tiv auf den Fort­schritt der Er­kran­kung aus­wirkt.

Stil­len und MS

Wie von der WHO emp­foh­len, soll­ten auch Frau­en mit ei­ner Mul­ti­plen Skle­ro­se ihr Kind vier bis sechs Mo­na­te lang voll stil­len. Da­nach kön­nen Sie mit der The­ra­pie fort­fah­ren. Das Stil­len scheint sich so­gar po­si­tiv auf die post­par­ta­le Schub­ra­te (die Schub­ra­te nach der Ent­bin­dung) aus­zu­wir­ken. Falls es aber wäh­rend der Still­zeit zu ei­nem Schub kommt, kann die­ser mit hoch­do­sier­ten Ste­ro­iden be­han­delt wer­den - wo­bei in den vier Stun­den nach der Ein­nah­me des Me­di­ka­men­tes nicht ge­stillt wer­den soll­te.

MS-Me­di­ka­men­te und Schwan­ger­schaft

  • Gla­ti­ramerace­tat
    Gla­ti­ramerace­tat ist in Deutsch­land nicht zur Be­hand­lung von schwan­ge­ren Frau­en zu­ge­las­sen. In Tier­ver­su­chen al­ler­dings zeigt Gla­ti­ramerace­tat we­der ei­ne frucht­schä­di­gen­de Wir­kung noch er­höht es das Ri­si­ko für ei­ne Fehl­ge­burt.
  • Fin­go­li­mod
    FIn­go­li­mod soll­te wäh­rend ei­ner Schwan­ger­schaft nicht ein­ge­nom­men wer­den. Vor Be­ginn ei­ner The­ra­pie mit Fin­go­li­mod soll­te bei ge­bär­fä­hi­gen Frau­en ein ne­ga­ti­ver Schwan­ger­schafts­test vor­lie­gen. Es wird so­gar emp­foh­len, dass wenn un­ter der The­ra­pie ei­ne Schwan­ger­schaft ein­tritt, die­se be­en­det wer­den soll­te. Das Me­di­ka­ment soll­te zwei bis drei Mo­na­te vor ei­ner Schwan­ger­schaft ab­ge­setzt wer­den.
  • In­ter­fe­ro­ne
    In Ab­spra­che mit dem be­han­deln­den Arzt kön­nen In­ter­fe­ro­ne ge­ge­ben wer­den, wo­bei das Ri­si­ko ei­ner Fehl­ge­burt ge­gen das Ri­si­ko, durch das Ab­set­zen von In­ter­fe­ro­nen zu er­lei­den, ab­ge­wägt wer­den muss. Neue Un­ter­su­chun­gen zei­gen, dass das Ri­si­ko für ei­ne Fehl­ge­burt un­ter In­ter­fe­ro­nen dem von ge­sun­den Frau­en ent­spricht
  • Kor­ti­ko­s­te­ro­ide
    Kor­ti­ko­s­te­ro­ide kön­nen bei ei­ner schwe­ren Sym­pto­ma­tik auch wäh­rend der Schwan­ger­schaft nach dem ers­ten Tri­me­non ein­ge­setzt wer­den. Al­ler­dings gel­ten Kor­ti­ko­s­te­ro­ide als "schwa­che Te­ra­to­ge­ne" und soll­ten, um das Ris­ko für ei­ne Kie­fer-Lip­pen-Gau­men Spalt­bil­dung beim Kind zu mi­ni­mie­ren, mög­lichst in der 8. bis 11. Schwan­ger­schafts­wo­che mit der Ga­be zu­rück­hal­tend sein. Hier wird Pred­ni­so­lon be­vor­zugt, weil es im Ge­gen­satz zu Dex­a­me­tha­son nur zu et­wa zehn Pro­zent die Pla­zen­taschran­ke über­win­det. Mehr­fach­be­hand­lun­gen mit Kor­ti­ko­s­te­ro­iden er­hö­hen das Ri­si­ko für

    • in­trau­te­ri­ne Wachs­tums­ver­zö­ge­rung
    • Früh­ge­burt
    • vor­über­ge­hen­de Hy­po­gly­kämie, Hy­po­to­nie und Elek­tro­lytstö­run­gen beim Neu­ge­bo­re­nen.
  • Mit­o­xan­tron
    Wäh­rend der Ein­nah­me von Mit­o­xan­tron kann es bei ei­nem Drit­tel der Frau­en zu ei­ner blei­ben­den Ame­nor­rhoe (aus­blei­ben der Mens­trua­ti­on) kom­men - vor al­lem bei Frau­en, die äl­ter als 35 Jah­re sind. Mit­o­xan­tron ist ein Um­mun­sup­pres­si­vum mit ge­no­to­xi­schem Po­ten­ti­al. Da­her wird emp­foh­len, die The­ra­pie min­des­tens sechs Mo­na­te vor ei­ner ge­plan­ten Schwan­ger­schaft zu be­en­den.

  • Na­ta­li­zu­m­ab
    In der Fach­in­for­ma­ti­on steht, dass "Na­ta­li­zu­m­ab nicht wäh­rend ei­ner Schwan­ger­schaft ver­wen­det wer­den darf, es sei denn, der kli­ni­sche Zu­stand der Frau er­for­dert es. ... Na­ta­li­zu­m­ab geht in die Mut­ter­milch über, es soll­te dar­un­ter nicht ge­stillt wer­den." Aus die­sem Grun­de soll­te das Me­di­ka­ment et­wa drei Mo­na­te vor Ein­tritt ei­ner Schwan­ger­schaft ab­ge­setzt wer­den.

Bun­des­wei­tes Re­gis­ter

Es gibt ein bun­des­wei­tes MS und Schwan­ger­schafts­re­gis­ter an der Uni­ver­si­täts­kli­nik St. Jo­sef in Bo­chum. Dort bit­tet man, al­le Frau­en mit MS, die

  • ak­tu­ell schwan­ger sind,
  • in den nächs­ten zwei bis drei Mo­na­ten schwan­ger wer­den wol­len,
  • oder ei­nen un­er­füll­ten Kin­der­wunsch ha­ben,


sich dort per E-Mail bei Dr. Kers­tin Hell­wig zu mel­den k.hell­wi­g@kli­ni­kum-bo­chum.de