Alkohol

Auf Al­ko­hol soll­ten Sie spä­tes­tens zu Be­ginn der Schwan­ger­schaft ganz ver­zich­ten. Es ist be­kannt, dass Al­ko­hol nicht nur die Frucht­bar­keit be­ein­flusst, son­dern, wenn er re­gel­mä­ßig oder in grö­ße­ren Men­gen ge­trun­ken wird, als Gift für das Kind im Mut­ter­leib wirkt. Al­ko­hol ge­hört zu den po­ten­ti­ell to­xisch wir­ken­den Stof­fen, die die Pla­zen­taschran­ke durch­drin­gen und dann un­ge­hin­dert zu ei­ner Schä­di­gung der kind­li­chen Zel­len und Or­ga­ne füh­ren kön­nen. Schon nach kur­zer Zeit er­reicht das Un­ge­bo­re­ne den glei­chen Al­ko­hol­pe­gel wie sei­ne Mut­ter.

Was sind die Fol­gen, wenn die Schwan­ge­re Al­ko­hol trinkt?

Die Aus­wir­kun­gen für das Kind durch Al­ko­hol im Mut­ter­leib sind u.a.:

  • in­trau­te­ri­ner und post­na­ta­ler Min­der­wuchs
  • Mi­kro­ze­pha­lie (ei­ne Ent­wick­lungs­be­son­der­heit, bei der der Kopf ei­ne ver­gleichs­wei­se ge­rin­ge Gröö­ße auf­weist und die mit ei­ner geis­ti­gen Be­hin­de­rung ein­her­geht).
  • Un­ter­ge­wicht
  • Schä­den an den Or­ga­nen wie z.B. er­höh­tes Ri­si­ko für Herz­feh­ler
  • er­höh­tes Ri­si­ko für Miss­bil­dun­gen
  • er­höh­tes Ri­si­ko für Hirn­funk­ti­ons­stö­run­gen beim Kind
  • er­höh­tes Ri­si­ko für ei­ne Sucht­ge­fähr­dung beim Kind


Nicht nur re­gel­mä­ßi­ges oder über­mä­ßi­ges Trin­ken wir­ken auf die Ent­wick­lung des Kin­des schä­di­gend. Auch der ge­le­gent­li­che Al­ko­hol­kon­sum kann je nach Ent­wick­lungs­pha­se spe­zi­fi­sche Schä­di­gun­gen beim Un­ge­bo­re­nen ver­ur­sa­chen: Wäh­rend der vier­ten Schwan­ger­schafts­wo­che bei­spiels­wei­se kann Al­ko­hol­ein­fluss die sich her­aus­bil­den­de Kopf­form be­ein­flus­sen, in der sechs­ten Wo­che kann es bei der Ent­wick­lung der Nie­ren zu Fehl­bil­dun­gen kom­men. Über den ge­sam­ten Ver­lauf der Schwan­ger­schaft be­fin­det sich das Ge­hirn in ei­nem Rei­fungs­pro­zess und ist dem­entspre­chend das am meis­ten emp­fäng­li­che und von al­ko­hol­be­ding­ten Schä­di­gun­gen be­droh­te Or­gan.

Kin­der mit Al­ko­hol­schä­den

Je­des Jahr kom­men in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land mehr als 10.000 Neu­ge­bo­re­ne mit Al­ko­hol­schä­den und et­wa 2.000 Kin­der mit ei­ner aus­ge­präg­ten Al­ko­ho­lem­bryo­pa­thie zur Welt. Um ein Viel­fa­ches hö­her je­doch ist die Zahl der Kin­der, die - äu­ßer­lich un­auf­fäl­lig - mit al­ko­hol­be­ding­ten Hirn­leis­tungs­schwä­chen, Lern­stö­run­gen und Ver­hal­tens­stö­run­gen auf­wach­sen. Ih­re Müt­ter hat­ten als Sucht­kran­ke ge­le­gent­lich oder auch ge­wohn­heits­mä­ßig Al­ko­hol ge­trun­ken.

Heu­te gilt Al­ko­hol als die häu­figs­te nicht­ge­ne­ti­sche Ur­sa­che geis­ti­ger Ent­wick­lungs­stö­run­gen und als be­deu­tends­ter Schad­stoff für das Kind in sei­ner Em­bryo­n­alpha­se.

"Ein Gläs­chen in Eh­ren ...?"

Zwar gibt es ein­deu­tig ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen der Men­ge des Al­ko­hols, den die Mut­ter trinkt, und den Schä­den beim Kind, al­ler­dings ha­ben zahl­rei­che Un­ter­su­chun­gen ge­zeigt, dass es kei­nen li­nea­ren Zu­sam­men­hang gibt zwi­schen der Al­ko­hol­men­ge, die die wer­den­de Mut­ter täg­lich ge­nie­ßt, und der Schwe­re der kind­li­chen Ent­wick­lungs­stö­rung. Die Al­ko­hol­ver­träg­lich­keit bei Mut­ter und Kind wird von zahl­rei­chen Fak­to­ren be­stimmt und kann nicht an ei­nem Grenz­wert fest­ge­macht wer­den.

Null Pro­zent

Die ein­zig wirk­sa­me Ver­mei­dung von al­ko­hol­be­ding­ten Schä­di­gun­gen des un­ge­bo­re­nen Kin­des ist der voll­stän­di­ge und kon­se­quen­te Ver­zicht auf den Kon­sum von Al­ko­hol durch die Schwan­ge­re wäh­rend der ge­sam­ten Dau­er der Schwan­ger­schaft.

Trotz der me­di­zi­nisch ho­hen Be­deu­tung in Be­zug auf blei­ben­de Schä­di­gun­gen beim Kind ist die Ver­harm­lo­sung von Al­ko­hol­kon­sum in der Schwan­ger­schaft nach wie vor auch bei Gy­nä­ko­logenin­nen ver­brei­tet. Die grö­ß­te Schwie­rig­keit je­des Prä­ven­ti­ons­an­sat­zes be­steht dar­in, dass vie­le Frau­en sich der Ri­si­ken des Al­ko­hol­kon­sums mit den mög­li­chen Kon­se­quen­zen für das Kind nicht be­wusst sind oder die Ri­si­ken un­ter­schätzt wer­den.

Bei den Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen und in der Schwan­ge­ren­be­treu­ung soll­te es da­her Stan­dard sein, auf die mög­li­chen Ri­si­ken hin­zu­wei­sen und Frau­en zum ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten Um­gang mit Al­ko­hol nach­drück­lich an­zu­hal­ten.