Damm: Dammschnitt

Ein Dammschnitt (Epi­sio­to­mie), ist ei­ne den Schei­den­ein­gang (Damm) er­wei­tern­de gy­nä­ko­lo­gi­sche Ope­ra­ti­ons­me­tho­de, die wäh­rend der Ge­burt durch­ge­führt wer­den kann. 

Was ist ein Damm­schnitt?

Bei ei­nem Damm­schnitt wird der Damm (Pe­ri­ne­um) wäh­rend der Aus­trei­bungs­pha­se - wenn der Kopf des Ba­bys aus der Schei­de her­vor­tritt - mit ei­ner spe­zi­el­len Ope­ra­ti­ons­sche­re ein­ge­schnit­ten und die Ge­burts­öff­nung da­durch künst­lich ge­wei­tet. Ein Damm­schnitt muss nach dem En­de der Ge­burt ge­näht wer­den.

Wann wird ge­schnit­ten?

Ein Damm­schnitt wur­de frü­her häu­fig pro­phy­lak­tisch ge­macht, um ei­nen grö­ße­ren Damm­riss zu ver­hin­dern, und er wird fast im­mer ge­macht, wenn die Ge­burt mit Hil­fe der Saugglo­cke oder Zan­ge be­en­det wer­den muss. Die Not­wen­dig­keit ei­nes Damm­schnit­tes soll­te sich nach dem Ge­sund­heits­zu­stand des Kin­des rich­ten. Wenn das Kind wäh­rend der Ge­burt un­ter Stress ge­rät und mit Hil­fe ei­nes Damm­schnitts die Aus­trei­bungs­pe­ri­ode ver­kürzt wer­den kann, kann ein Damm­schnitt in­di­ziert sein. Eben­so ist ei­ne Früh­ge­burt, ein auf­fäl­li­ges CTG-Mus­ter oder die Ma­kro­so­mie ei­nes Kin­des (über­mäs­si­ge Grö­ße) ei­ne mög­li­che In­di­ka­ti­on.

Emp­feh­lun­gen der WHO

Ei­ne gro­ße Stu­die hat ge­zeigt, dass ei­ne Epi­sio­to­mie, wenn sie rein pro­phy­lak­tisch an­ge­legt wird, das Ri­si­ko für wei­te­re Damm­ris­se im hin­te­ren Be­reich der Va­gi­na er­höht und im vor­de­ren Be­reich der Va­gi­na senkt.
Das ist der Grund, wes­halb un­ter an­de­rem auch die WHO, die World Health Or­ga­niza­t­i­on (Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on) emp­fiehlt die Epi­sio­to­mie nur noch dann durch­zu­füh­ren wenn:

  • der Fö­tus wäh­rend der Ent­bin­dung un­ter Stress ge­rät und durch ei­ne Epi­sio­to­mie zu er­war­ten ist, dass die Ge­burt be­schleu­nigt wer­den kann oder wenn ab­zu­se­hen ist, dass er­heb­li­che Ver­let­zun­gen bei der Mut­ter ab­ge­wen­det wer­den kön­nen.
  • das Ba­by, be­son­ders der kind­li­che Kopf, be­son­ders groß ist.
  • un­kon­trol­lier­te We­hen vor­han­den sind und noch nicht ge­nü­gend Zeit ver­gan­gen ist, so dass das Pe­ri­ne­um weich und dehn­bar ge­wor­den ist.
  • wenn ei­ne Zan­gen­ge­burt oder Ge­burt mit der Saugglo­cke be­vor­steht.

Die Epi­sio­to­mie wird in der Re­gel wäh­rend ei­ner We­he durch­ge­führt und be­darf kei­ner zu­sätz­li­chen Be­täu­bung. In vie­len Ge­burts­kli­ni­ken ist ein Damm­schnitt ob­li­ga­to­risch - wird al­so in je­dem Fall pro­phy­lak­tisch durch­ge­führt.

Kann ein Damm­schnitt ver­hin­dert wer­den?

Frau­en ha­ben ei­nen ge­wis­sen Ein­fluss auf die Dehn­bar­keit des Damms. Sie­he: Damm­mas­sa­ge

Wie wird ge­schnit­ten?

Es gibt drei Rich­tun­gen, in die der Damm zwi­schen dem hin­te­ren En­de der Va­gi­na und dem Anus durch­schnit­ten wer­den kann:

  • Me­di­a­ne Epi­sio­to­mie
    Die me­di­a­ne Epi­sio­to­mie, bei der die Schnitt­füh­rung ge­nau in der Mit­tel­li­nie liegt, ist heu­te die ge­bräuch­lichs­te Me­tho­de des Damm­schnit­tes. Sie hat den Vor­teil, dass sie von den mög­li­chen Schnitt­füh­run­gen am we­nigs­ten Be­schwer­den im Wo­chen­bett be­rei­tet. Der Nach­teil aber ist, dass das Damm­ge­we­be trotz des Ent­las­tungs­schnit­tes in Rich­tung Af­ter wei­ter­rei­ßen kann. Die an­schlie­ßen­de chir­ur­gi­sche Ver­sor­gung die­ser nicht sel­te­nen Kom­pli­ka­ti­on ist auf­wen­dig und er­for­dert chir­ur­gi­sches Fin­ger­spit­zen­ge­fühl. We­gen die­ser Pro­ble­me soll­te die me­di­a­ne Schnitt­füh­rung nur von ei­nem er­fah­re­nen Ge­burts­hel­ferei­ner er­fah­re­nen Ge­burts­hel­fe­rin ge­wählt wer­den.
  • Me­dio-la­te­ra­le Epi­sio­to­mie
    Die me­di­o­la­te­ra­le Epi­sio­to­mie, bei der die schrä­ge Schnitt­füh­rung von der Mit­te aus in ca. 45 Grad Ab­wei­chung nach rechts oder links liegt, ist die Schnitt­füh­rung, die für die Ent­bin­dung den meis­ten Raum­ge­winn bringt. Sie wird ge­wählt bei sehr en­gem Ge­burts­ka­nal oder ei­nem sehr gro­ßen Kind, bei Zan­gen- oder Saugglo­ckenentbindungen. Der schrä­ge Schnitt macht deut­lich mehr Be­schwer­den im Wo­chen­bett als der Schnitt in der Mit­tel­li­nie.

Wie häu­fig wird ge­schnit­ten?

Die Häu­fig­keit von Damm­schnit­ten wird in der Li­te­ra­tur zwi­schen 8% (Hol­land) und 90% (Groß­bri­tan­ni­en) an­ge­ge­ben. Vie­le Stu­di­en wei­sen dar­auf­hin, dass rou­ti­ne­mä­ßi­ge Damm­schnit­te bei Nor­mal­ge­bur­ten ab­zu­leh­nen sind. Fra­gen Sie in der Kli­nik, in der Sie ent­bin­den möch­ten, wie hoch dort die Damm­schnit­tra­te liegt.

Die Pfle­ge des Dam­ris­ses

Die Pfle­ge ei­nes ein­ge­ris­se­nen Damms soll­te mög­lichst oh­ne Sal­be oder ähn­li­ches er­fol­gen. Mehr­fa­che Spü­lun­gen am Tag und häu­fi­ges Ab­du­schen die­ses Be­rei­ches ist ins­be­son­de­re aus hy­gie­ni­schen Grün­den sinn­voll.

Ver­hin­dert der Damm­schnitt spä­te­re In­kon­ti­nenz?

Lan­ge galt die An­nah­me, dass es durch ei­nen vor­zei­tig an­ge­leg­ten Damm­schnitt zu ei­ner Ver­hin­de­rung ei­ner spä­te­ren Harn­in­kon­ti­nenz kom­men könn­te. Dies ist falsch. Ei­ne Über­be­an­spru­chung des Ge­we­bes mit dar­aus re­sul­tie­ren­der Sen­kung oder Harn­in­kon­ti­nenz ge­schieht schon im Be­reich der obe­ren Ge­burts­we­ge und nicht erst im Be­reich des Be­cken­bo­dens. Ein Damm­schnitt hat hier­auf kei­nen Ein­fluss. 

Dis­kus­si­ons­the­ma: Damm­schnitt

Bei vie­len Schwan­ge­ren und in den Ge­burts­vor­be­rei­tungs­kur­sen sorgt das The­ma Damm­riss, Damm­schnitt und Damm­vor­be­rei­tung im­mer wie­der für hef­ti­ge und wi­der­sprüch­li­che Dis­kus­sio­nen. Von den (meist männ­li­chen) Ge­burts­hel­fern auch heu­te noch in vie­len Kli­ni­ken recht gro­ßzü­gig ver­ord­net, ist der Damm­schnitt ein chir­ur­gi­scher Ein­griff, vor dem vie­le Schwan­ge­re Angst ha­ben.  

Die Be­rich­te über Hei­lungs­pro­ble­me nach ei­nem Damm­schnitt hal­ten sich län­ger, al­so sol­che über ei­ne schnel­le und kom­pli­ka­ti­ons­lo­se Hei­lung. Nicht sel­ten kla­gen Frau­en nach ei­nem Damm­schnitt über wo­chen­lan­ge Schmer­zen beim Was­ser­las­sen und bei der Stuh­lent­lee­rung so­wie beim Ge­schlechts­ver­kehr bis hin zur Un­fä­hig­keit, Ge­schlechts­ver­kehr aus­zu­üben ("ka­tho­li­sche Naht").

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