Männliche (Un)Fruchtbarkeit

Kin­der­lo­sig­keit ist zu­neh­mend auch durch männ­li­che Un­frucht­bar­keit be­dingt. Wenn ei­ne Frau nach zwölf Mo­na­ten un­ge­schütz­tem Ge­schlechts­ver­kehr noch im­mer nicht schwan­ger wird, soll­te des­halb ne­ben ih­rer ei­ge­nen auch die Frucht­bar­keit des Man­nes un­ter­sucht wer­den. Liegt die Ur­sa­che für un­er­füll­ten Kin­der­wunsch beim Mann, so spricht man von an­d­ro­lo­gi­scher Ste­ri­li­tät. Ge­ne­rell un­ter­schei­det man zwei For­men männ­li­cher Ste­ri­li­tät:

  • Im­po­ten­tia ge­ner­an­di
    = Un­fä­hig­keit zur Fort­pflan­zung = Ste­ri­li­tät (lat.: Un­fä­hig­keit des Zeu­gens)
  • Im­po­ten­tia coeun­di = Un­fä­hig­keit zum Ko­itus = erek­ti­le Im­po­tenz (lat.: Un­fä­hig­keit des Zu­sam­men­ge­hens)

Was Sie selbst ver­än­dern kön­nen

Nicht im­mer liegt ei­ne Er­kran­kung vor, wenn sich der er­sehn­te Kin­der­wunsch nicht er­füllt. Auch der Le­bens­wan­del wie Rau­chen, Stress, Über­ge­wicht, über­mä­ßi­ger Al­ko­hol- und Kaf­feekon­sum ha­ben ei­nen ne­ga­ti­ven Ein­fluss auf die Frucht­bar­keit. Seit ei­ni­gen Jahr­zehn­ten ist die männ­li­che Frucht­bar­keit in der west­li­chen Welt rück­läu­fig, heu­te ist et­wa je­der zwan­zigs­te Mann in­fer­til. Wis­sen­schaft­ler ver­mu­ten, dass dies auf den ver­än­der­ten Le­bens­stil und Schad­stof­fe in der Um­welt zu­rück­zu­füh­ren ist. So hat man z.B. her­aus­ge­fun­den, dass po­ly­chlo­rier­te Bi­phe­nyle (PCB), ein Wirk­stoff, der in den fünf­zi­ger und sech­zi­ger Jah­ren aus­gie­big in der Plas­tik­in­dus­trie ver­wen­det wur­de, er­heb­li­che Stö­run­gen bei der Sper­mi­enrei­fung her­vor­ruft.

Männ­li­che Frucht­bar­keit ist ein Ta­bu­the­ma

Die Ste­ri­li­tät des Man­nes ist ein heik­les The­ma: Die Sper­mi­en ei­nes Man­nes mö­gen nicht im­stan­de sein, ei­ne Ei­zel­le zu be­fruch­ten, aber das muss sei­ner Qua­li­tät als Lieb­ha­ber kei­nen Ab­bruch tun; da­ge­gen kann ein Mann, der nicht fä­hig ist, den Ge­schlechts­ver­kehr zu voll­zie­hen, über voll be­weg­li­che, le­bens­fä­hi­ge und frucht­ba­re Sa­men­zel­len ver­fü­gen.

An­d­ro­lo­gi­sche Be­ra­tung

Um dem un­er­füll­ten Kin­der­wunsch auf die Spur zu kom­men, ist ei­ne aus­gie­bi­ge Be­ra­tung und Auf­klä­rung über die mög­li­chen Ur­sa­chen der Kin­der­lo­sig­keit sinn­voll. Man­che Kli­ni­ken ha­ben sich in­zwi­schen auf an­d­ro­lo­gi­sche Be­ra­tung spe­zia­li­siert und be­fas­sen sich schwer­punkt­mä­ßig mit den män­ner­spe­zi­fi­schen Ur­sa­chen der Ste­ri­li­tät.

An­d­ro­lo­gi­sche Un­ter­su­chung

Ei­ne an­d­ro­lo­gi­schen Un­ter­su­chung des Man­nes be­ginnt mit ei­ner aus­führ­li­chen Ana­mne­se. Für den Arztdie Ärz­tin ist es wich­tig zu wis­sen, ob bei dem Mann je­mals ei­ne Ge­schlechts­krank­heit oder ein Harn­weg­sin­fekt, Mumps und an­de­re Kin­der­krank­hei­ten vor­ge­le­gen ha­ben, da die­se Er­kran­kun­gen auch Jah­re spä­ter noch die Zeu­gungs­fä­hig­keit be­ein­träch­ti­gen kön­nen. Ein­wir­kun­gen von Um­welt­gif­ten, Che­mo­the­ra­pi­en, Un­fäl­len und frü­he­re Ope­ra­tio­nen kön­nen eben­so Ein­fluss auf die Sper­mi­en­qua­li­tät ha­ben wie häu­fi­ge Sau­na­be­su­che und re­gel­mä­ßi­ger Al­ko­hol- und Zi­ga­ret­tenkon­sum.

Sper­mi­en­pro­ble­me

Die wich­tigs­te Un­ter­su­chung, um die Zeu­gungs­fä­hig­keit des Man­nes ein­zu­schät­zen, ist die mi­kro­sko­pi­sche Un­ter­su­chung des Eja­ku­lats. Der Rei­fungs­pro­zess der Sa­men­zel­len dau­ert meh­re­re Wo­chen. Da der Pro­zess hoch­emp­find­lich ist und von vie­len Fak­to­ren ab­hängt, kann es durch­aus sein, dass die Sper­mi­en­un­ter­su­chun­gen zu ver­schie­de­nen Zeit­punk­ten so­wohl qua­li­ta­tiv als auch quan­ti­ta­tiv er­heb­lich von­ein­an­der ab­wei­chen.

Or­ga­ni­sche Ur­sa­chen

Um mechs­ni­sche Pro­ble­me und Stö­run­gen der männ­li­chen Ge­schlechts­or­ga­ne aus­zu­schlie­ßen, wird der An­d­ro­lo­gedie An­d­ro­lo­gin oder der Uro­lo­gedie Uro­lo­gin ne­ben der kör­per­li­chen Un­ter­su­chung ver­schie­de­ne la­bord­ia­gnos­ti­sche Ver­fah­ren ein­set­zen Nach Un­fäl­len oder auf­grund or­ga­ni­scher De­fek­te kann es sein, dass zwar Sper­mi­en ge­bil­det wer­den, dass aber der Trans­port der­sel­ben nicht op­ti­mal ge­währ­leis­tet ist. Bei Son­der­for­men männ­li­cher Ste­ri­li­tät, der Azoos­per­mie (Feh­len von le­ben­den Sa­menfä­den im Eja­ku­lat), kön­nen Sa­men un­mit­tel­bar aus dem Ne­benho­den (ME­SA) oder di­rekt durch Bi­op­sie aus dem Ho­den­ge­we­be (TESE) ge­won­nen wer­den (sie­he Ge­win­nung von Sper­mi­en). Auch Va­ri­ko­ze­len, Kram­pa­dern am Ho­den­sack, kön­nen die Männ­li­che Frucht­bar­keit ein­schrän­ken.

Hor­mo­nel­le Ur­sa­chen

Hor­mo­nel­le Stö­run­gen, die sich auf die Fer­ti­li­tät aus­wir­ken, kön­nen noch wei­te­re Ef­fek­te zei­gen wie z.B. ei­ne Ab­nah­me der all­ge­mei­nen Leis­tungs­fä­hig­keit, des Sexual­an­triebs und der Erek­ti­ons­häu­fig­keit bei ei­nem Man­gel an Tes­to­ste­ron.