Männliche (Un)Fruchtbarkeit: Ursachen

Es gibt vie­le ver­schie­de­ne Grün­de, war­um ein Mann un­frucht­bar ist.

Va­ri­ko­ze­len

Ei­ne Va­ri­ko­ze­le ist ei­ne ver­grös­ser­te Ve­ne im Ho­den­sack. Sie ver­ur­sacht ei­ne er­höh­te Tem­pe­ra­tur, die wie­der­um die Sper­mi­enpro­duk­ti­on be­ein­träch­tigt. Va­ri­ko­ze­len ge­hö­ren zu den häu­fis­ten und am leich­tes­ten be­han­del­ba­ren Ur­sa­chen der männ­li­chen Un­frucht­bar­keit.

Es gibt je­doch auch Stim­men, nach de­nen Va­ri­ko­ze­len auch bei frucht­ba­ren Män­nern häu­fig vor­kom­men, und die den Zu­sam­men­hang mit der Un­frucht­bar­keit und der Be­hand­lungs­be­dürf­tig­keit in­fra­ge stel­len.

Gro­ße un­be­han­del­te Va­ri­ko­ze­len kön­nen die Ho­den dau­er­haft schä­di­gen. Das kann dann zum Aus­fall oder zur Ver­küm­me­rung des Ho­dens füh­ren.

Krebs­be­hand­lung bzw. Che­mo­the­ra­pie

Che­mo­the­ra­pie und Be­strah­lung kön­nen Sper­mi­en­a­no­ma­li­en oder Ste­ri­li­tät ver­ur­sa­chen.

Diet­hyl­stil­be­strol (DES)

Diet­hyl­stil­be­strol (DES) ist ein syn­the­ti­sches Ös­tro­gen, das zur Be­hand­lung von Kol­pi­tis, Min­de­rung von Be­schwer­den in der Me­no­pau­se und der Still­zeit so­wie zur Ver­hin­de­run­gen von Früh­ge­burten - al­so zur Be­hand­lung von Frau­en - zu­ge­las­sen wur­de. Ab 1960 wur­de DES bei der Be­hand­lung von fort­ge­schrit­te­nem Brust­krebs bei post­me­no­pau­sa­len Frau­en ein­ge­setzt. 1971 wur­de her­aus­ge­fun­den, dass es ein Te­ra­to­gen ist und beim Nach­wuchs zum Auf­tre­ten von u.a. Va­gi­nal­k­ar­zi­nom oder Mi­kro­penis füh­ren kann. Söh­ne von Müt­tern, die DES ein­ge­nom­men ha­ben, lei­den heu­te ver­mehrt un­ter ge­rin­ger Sper­mi­en­zahl, ge­rin­ger Sper­mi­en­be­weg­lich­keit (Mo­ti­li­tät), ab­nor­ma­len Sper­mi­en­for­men, klei­nem Pe­nis, Ho­den­hoch­stand (ein Ri­si­ko­fak­tor für Ho­den­krebs) und Ho­den­miß­bil­dung.

Hor­mo­nel­le Stö­run­gen

Zu den Hor­mons­tö­run­gen, die die Sper­mi­en­zahl be­ein­träch­ti­gen, ge­hö­ren Schild­drü­senpro­ble­me, nied­ri­ger Tes­to­ste­ronspie­gel, er­höh­ter FSH-Spie­gel und über­mä­ßig viel Prol­ak­tin.

Hy­per­prol­ak­tin­ämie (Prol­ak­tin­über­schuss)

Hy­per­prol­ak­tin­ämie kann die Pro­duk­ti­on von Gn­RH hem­men, was zu ei­nem ge­rin­ge­rem Spie­gel von LH, Tes­to­ste­ron und FSH führt.

Im­mun­sys­tem

Dass ei­ni­ge Frau­en all­er­gisch auf Sper­ma re­agie­ren kann man nach­voll­zie­hen, war­um aber auch ei­ni­ge Män­ner all­er­gisch auf das ei­ge­ne Sper­ma re­agie­ren, ist noch nicht ab­schlies­send un­ter­sucht. Auch wie häu­fig das vor­kommt, ist sehr um­strit­ten. Ei­ne (Au­to)Im­mun­re­ak­ti­on, al­so die All­er­gie auf das ei­ge­ne Sper­ma, kann nach ei­ner Va­sek­to­mie auf­tre­ten, aber auch an­de­re Ur­sa­chen ha­ben. An­ti­kör­per ge­gen Sper­ma beim Mann zei­gen sich häu­fig durch Hy­per­vis­ko­si­tät (be­son­de­re Zäh­flüs­sig­keit), die die Vor­wärts­be­we­gung hemmt.
In leich­te­ren Fäl­len kann man Sper­ma-An­ti­kör­per­re­ak­ti­on bei Mann oder Frau um­ge­hen, in­dem man ei­ne in­trau­te­ri­ne In­se­mia­ti­on (IUI) vor­nimmt.
Falls IUI nicht funk­tio­niert oder das Pro­blem zu gra­vie­rend ist, kann IVF an­ge­zeigt sein. Bei Sper­ma-An­ti­kör­pern des Man­nes wird ver­mut­lich ICSI an­ge­wen­det. Dem Part­ner, der die An­ti­kör­per pro­du­ziert, wird man das Ste­ro­id Pre­di­son ver­ab­rei­chen.

Im­po­tenz

Im­po­tenz ist ein eher sel­te­nes Pro­blem. Ei­ne Rei­he me­di­zi­ni­scher Ur­sa­chen kön­nen da­zu bei­tra­gen, z.B. Dia­be­tes mel­li­tus oder be­stimm­te An­ti­de­pres­si­va. Sexual­be­ra­tung von Freun­den ist da eher un­er­wünscht. Sinn­vol­le Hin­wei­se zur Im­po­tenz fin­det man auf den Sei­ten der ein­schlä­gi­gen Phar­ma-Un­ter­neh­men, wo­bei ins­be­son­de­re Via­gra laut Her­stel­ler kei­ne ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf das Sper­ma hat.

In­fek­tio­nen

Nach­pu­ber­tä­rer Mumps und zu­wei­len Ge­schlechts­krank­hei­ten wie Trip­per und Chla­my­di­en kön­nen der männ­li­chen Frucht­bar­keit scha­den. Auch wie­der­keh­ren­de In­fek­ti­onen wie Pro­sta­ti­tis kön­nen die Sper­mi­en­zahl und -be­weg­lich­keit ver­rin­gern.

Kline­fel­ter-Syn­drom

Män­ner mit Kline­fel­ter-Syn­drom ha­ben zwei X- und ein Y-Chro­mo­som statt je ei­nem X- und ei­nem Y-Chro­mo­som. Sie sind ge­wöhn­lich hoch­ge­wach­sen, ha­ben über­pro­por­tio­nal lan­ge Bei­ne und klei­ne Ho­den. Et­wa je­der 500. Mann hat ein X-Chro­mo­som zu­viel und ist des­halb un­frucht­bar. Ver­tie­fen­de In­for­ma­tio­nen da­zu gibt es bei www.kline­fel­ter.de.

Le­bens­stil

Ver­hal­ten, wo­durch die Tem­pe­ra­tur des Ho­den­sachs (Skro­tum) er­höht wird, wie z.B. hei­ße oder aus­ge­dehn­te Bä­der kön­nen die Sper­ma­pro­duk­ti­on be­ein­träch­ti­gen. Ei­ni­ge Me­di­ka­men­te und Dro­gen kön­nen die männ­li­che Frucht­bar­keit ver­rin­gern. Da­zu ge­hö­ren Al­ko­hol, Ma­ri­hua­na, Ko­ka­in, Zi­ga­ret­ten, Ana­bo­li­ka, Sul­fa­sa­la­zin, Cime­ti­din (ge­gen Ma­gen­ge­schwü­re), Ni­tro­fu­ran­to­in (bei Harn­weg­sent­zün­dun­gen), Blut­druck­sen­ker (ins­be­son­de­re die die Kal­zi­umka­nä­le blo­ckie­ren), As­pi­rin, Di­lan­tin (ge­gen Epi­lep­sie), Col­chi­cin und An­ti­de­pres­si­va. Ei­ni­ge die­ser Me­di­ka­men­te soll­te man aber trotz Kin­der­wunsch nicht ein­fach ab­set­zen, wenn sie we­gen an­de­rer gra­vie­ren­der me­di­zi­ni­scher Pro­ble­me von­nö­ten sind. Auch der Kon­takt mit be­stimm­ten Che­mi­ka­li­en wie Blei und Ar­sen oder der Um­gang mit La­cken kann der männ­li­chen Frucht­bar­keit scha­den.

Ob­struk­ti­on

Ver­en­gun­gen (Ob­struk­tio­nen) der Sa­menlei­ter kön­nen das Sper­ma am Aus­tritt hin­dern. Die­ses Pro­blem ist zwar chir­ur­gisch be­han­del­bar, al­ler­dings wird es oft ein­fa­cher sein, mit­tels ME­SA oder TE­SA die Ob­struk­ti­on zu um­ge­hen, statt zu ver­su­chen, sie chir­ur­gisch zu re­pa­rie­ren.

Frü­he­re Ein­grif­fe

Der Sa­men­lei­ter kann durch die Kor­rek­tur ei­nes Leis­ten­bruchs be­schä­digt sein, durch ei­ne Or­chi­dope­xie, wenn der Ho­den durch ei­ne Ope­ra­ti­on im Ho­den­sack fi­xiert wor­den ist.

Re­tro­gra­de Eja­ku­la­ti­on

Die re­tro­gra­de Eja­ku­la­ti­on ist ei­ne Eja­ku­la­ti­ons­stö­rung, bei der die Sa­men­flüs­sig­keit rück­wärts in die Harn­bla­se aus­ge­sto­ßen wird. Sie kann durch Fehl­bil­dun­gen, durch Me­di­ka­men­te, chir­ur­gi­sche Ein­grif­fe oder Ner­ven­schä­di­gun­gen (z.B. durch Dia­be­tes mel­li­tus) her­vor­ge­ru­fen wer­den.

Se­xu­el­le Dys­funk­ti­on

Wird bei bis zu 20% der un­frucht­baren Män­ner fest­ge­stellt. Da­zu kann ver­rin­ger­ter Se­xu­al­trieb ge­hö­ren, die Un­fä­hig­keit, ei­ne Erek­ti­on zu be­hal­ten, und der vor­zei­ti­ge Sa­men­er­guß. Das kann an ei­nem nied­ri­gen Tes­to­ste­ron­spie­gel lie­gen, aber auch an Ver­sa­gens­ängs­ten.

Ho­den­ver­let­zung

Ei­ne Ver­let­zung der Ho­den, z.B. durch ei­nen Schlag, mit nach­fol­gen­der Miß­bil­dung kann zu Pro­ble­men bei der Bil­dung aus­rei­chend ge­sun­der Sper­mi­en füh­ren. Auch in­fol­ge von Mumps, mit an­schlie­ßen­der zwei­sei­ti­ger Ho­den­ent­zün­dung, kön­nen hin­ter­her Pro­ble­me bei der ge­sun­den Sper­mi­en­pro­duk­ti­on auf­tre­ten.

Ho­den­hoch­stand

Wenn die Ho­den wäh­rend der Pu­ber­tät nicht hin­ab­wan­dern, kann ih­re Kör­per­tem­pe­ra­tur zu hoch sein, was die Qua­li­tät und Quan­ti­tät der Sper­mi­en­pro­duk­ti­on be­ein­träch­tigt. Die­ses Phä­no­men kommt al­ler­dings sel­ten vor.

Va­sek­to­mie-Kor­rek­tur

Zwar ist die Va­sek­to­mie als dau­er­haf­tes Fa­mi­len­pla­nungs­mit­tel ge­dacht, doch stellt sich spä­ter oft her­aus, dass sie rück­gän­gig ge­macht wer­den kann. Das ist je­doch ein­fa­cher, wenn noch nicht all­zu viel Zeit seit­her ver­gan­gen ist. Je mehr Zeit ver­gan­gen ist, um­so wahr­schein­lich ist ei­ne Im­mun­re­ak­ti­on des Man­nes auf sein ei­ge­nes Sper­ma.

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!